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Pflegetipps für die Fensterbank

 

Es muss nicht immer gleich ein Gewächshaus sein! Auch auf der Fensterbank lassen sich viele Pflanzen aus dem sukkulenten Pflanzenreich erfolgreich pflegen. Zunächst aber eine Abgrenzung, von welchen Pflanzen wir hier reden wollen.

Der Liebhaber spricht hier von „Kakteen und anderen Sukkulenten“. Aus dieser Sprachweise heraus wird schon deutlich, dass auch Kakteen Sukkulenten sind, denn sonst bräuchte man ja nicht von anderen Sukkulenten zu sprechen. Was sind nun Sukkulente? Sukkulente sind wasserspeichernde Pflanzen, also Pflanzen, die an Standorten wachsen, die keine regelmäßigen Niederschläge erhalten. Die Pflanzen sind an diesen Standorten gezwungen, so wie sich das Eichhörnchen einen Wintervorrat anlegt, im Pflanzenkörper Wasser zu sammeln, um davon in Trockenzeiten zehren zu können.

Man unterscheidet hierbei zwischen

Wurzelsukkulenten, die das Wasser in dicken Rübenwurzeln speichern,

Stammsukkulenten, die das Wasser im Pflanzenkörper speichern z.B. die meisten Kakteen (z.B. die bekannten mehrarmigen Säulenkakteen aus den Wildwestfilmen)

und Blattsukkulenten, die das Wasser in den Blättern speichern z.B. die bekannte „Deutsche Eiche“.

Kakteen kommen ursprünglich ausschließlich in Nord- und Südamerika vor. Die „anderen Sukkulenten“ sind über die ganze Welt verstreut ev. mit einem Schwerpunkt in Afrika.

 

Welche Bedingungen stellen nun diese Pflanzen an ihren Standort:

  1. Möglichst nicht weniger als 10°C auch im Winter.
  2. Heller Standort an einem Ost-, Süd- oder auch Westfenster, Nordfenster sind im Regelfalle nicht geeignet.
  3. Wenn Sie Ihren Wohnraum regelmäßig lüften, so sind diese Pflanzen hierfür auch dankbar.
  4. Volle Sonne direkt hinter dem Glas eines Südfensters vertragen die meisten Pflanzen nicht. Sie bekommen dort, auch wenn es sich für unsere Vorstellungen witzig anhört, Sonnenbrand.

 

Woher bekomme ich geeignete Pflanzen:

  1. Natürlich aus den Gartenzentren. Die hier angebotenen Pflanzen sind meist auch für Anfänger geeignet.
  2. Von Kakteenhandlungen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen kann man Kakteen und andere Sukkulenten recht gut verschicken. Einige Adressen können Sie auf unserer Homepage unter „Interessante Links“ finden.
  3. Von unseren Mitgliedern. Hierzu wenden Sie sich bitte an die Vorstandsmitglieder oder besuchen Sie einen der Vereinsabende, zu denen Sie herzlich eingeladen sind.

 

Was muss ich beim Kauf beachten:

  1. Zunächst einfach ein gesundes Aussehen. Schon halb vertrocknete Pflanzen sind für den Anfänger nicht geeignet.
  2. Wenn Sie Blüten sehen, schauen Sie sich diese genau an. Leider werden immer wieder Pflanzen verkauft mit Papierblüten. Diese Papierblüten werden mit Stecknadeln in den Pflanzenkörper gespießt und verletzen dabei die Pflanze. Über diese Wunde gelangen Keime in die Pflanze und nach einigen Monaten ist die Pflanze nur noch Matsch. Also Finger weg!
  3. Manchmal finden Sie zwischen den Dornen oder Warzen kleine weiße Wollposter. Dies können für die Pflanze typische Haarpolster oder Wollläuse sein. Dies ist nicht immer leicht zu unterscheiden. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist folgendes. Treten diese weißen Polster unregelmäßig auf, so sind es wahrscheinlich Schmierläuse. Finden Sie die Polster aber einigermaßen regelmäßig in bestimmten Bereichen des Pflanzkörpers, so handelt es sich vermutlich um Haarpolster.
  4. Bis auf die sogenannten „Bischofsmützen“ sind fast alle Kakteen unterschiedlich grün. Sind die Warzen oder Rippen schmutzig graugrün oder braungrün und weisen meist dunklere Punkte auf, so ist die Pflanze von der leider in Gewächshäusern nicht seltenen roten Spinne befallen. Die Bekämpfung ist trotz der Versprechen der chemischen Industrie nicht einfach, daher besser gleich die Finger weg lassen. Ansteckungsgefahr für schon vorhandene gesunde Pflanzen!

 

Gießen – das Sorgenkind vieler Pflanzenfreunde.

An den natürlichen Standorten erhalten die Pflanzen das erforderliche Wasser über Regen, Nebel oder Tau. Kein Kaktus wächst in einer wirklichen Wüste, die keinerlei Feuchtigkeitszufuhr hat. Aber auch kein Kaktus wächst im Sumpf. Daraus kann man folgendes ableiten:

  1. Keine stauende Nässe in den Töpfen. Wenn Sie Übertöpfe verwenden, legen Sie unter die Töpfe kleine Steine in die Übertöpfe, da mit unter dem Pflanzentopf 1-2 cm Hohlraum entsteht. Wenn Sie zu viel gegossen haben, läuft das überschüssige Wasser in diesen Hohlraum, verdunstet und kann damit der Pflanze nicht schaden.
  2. Wenn im Sommer wirklich sommerliche Temperaturen herrschen, können Sie 2x die Woche gießen. Ist es trübe, dann entsprechend weniger. Die Pflanzen müssen auch Feuchtigkeit für den Winter speichern.
  3. Im Winter ist die Temperatur des Standortes wichtig. Ist die Temperatur dauernd zwischen 5° und 15°C, dann gießen Sie von Mitte Oktober bis Mitte März überhaupt nicht. Wenn die Pflanzen bei Zimmertemperatur von 18 – 22°C stehen, dann sollten Sie alle 2 Wochen ein wenig gießen.
  4. Die Pflanzen benötigen diese Wachstumspause und Ruhephase, um im Inneren die Blütenansätze zu bilden.

 

Düngung:

Benutzen Sie ganz einfach einen handelsüblichen Kakteendünger in der dort angegebenen Menge, aber bitte nur in der Sommerzeit und nicht während der Ruhephase.

 

Umtopfen:

  1. Als Faustregel dient hier, der Topf sollte im Durchmesser nicht kleiner als der Pflanzendurchmesser sein.
  2. Für eine Fensterbrettsammlung verwenden Sie am einfachsten handelsübliche Kakteenerde, da es sich hier ja nur um relativ kleine Mengen handelt.
  3. Bei kalkreichem Wasser sollten Sie alle 2-3 Jahre umtopfen. Sonst ist dies alle ca. 5 Jahre sinnvoll oder falls sich auf der Oberseite der Erde eine helle Kalkschicht bildet.
  4. Ob Sie im Winter oder im Sommer umtopfen, bleibt Ihnen überlassen. In jedem Falle sollte die Pflanzerde im Topf trocken sein. Also im Winter mindestens 4 Wochen und im Sommer 2 Wochen vor dem Umtopfen nicht gießen. Den gleichen Zeitraum auch nach dem Umtopfen nicht gießen. Bei jedem Umtopfen verletzen Sie unvermeidlich Wurzelteile. Wenn diese Verletzungen nicht abtrocknen und damit verheilen können, ist die Gefahr sehr groß, dass Fäulnisbakterien über diese Wunden in den Körper gelangen und dann im Körper Fäulnis entsteht.

 

Schädlingsbekämpfung:

Nicht immer können Sie auch bei noch so genauem Hinsehen vermeiden, dass Sie sich Schädlinge mitkaufen, denn diese sind auch in Form von Eiern zwischen den Dornen vorhanden und praktisch nicht zu sehen. Sie können diese wie folgt bekämpfen.

  1. Schmier- oder Wollläuse können Sie einfach mit Zahnstochern aufspießen. Da diese relativ großen Tierchen ja die Außenhaut der Pflanzen anfressen, entstehen wieder Wunden, durch die Fäulnisbakterien eindringen können. Daher nach dem Aufspießen wieder wenigstens 2-3 Tage warten und dann mit einem entsprechenden Schädlingsbekämpfungsmittel aus dem Gartencenter gießen oder besprühen.
  2. Auch erfahrene Pfleger sind nicht gegen die rote Spinne gefeit. Diese Tierchen sind so klein, dass sie nur mit einer guten Lupe zu sehen sind. Bewegt sich ein winziger roter Punkt auf der Pflanze, dann haben irgendwann etwas gekauft, was Sie nicht wollten und auch nicht bezahlt haben. Sie können aber auch ein Befall durch offene Fenster, was ja den Pflanzen durchaus gut tut, von Obstbäumen her stammen. Hier hilft nur ein Gießen mit einem entsprechenden Mittel aus dem Gartencenter.
  3. Einmal ist keinmal! Bitte unbedingt jede Behandlung mindestens 3x im Abstand von 10 – 14 Tagen durchführen. Mit der 1. Behandlung töten Sie die schon vorhandenen Tiere, aber die Eier überleben. Mit der 2. Behandlung erwischen Sie die in der Zwischenzeit wieder geschlüpften Tiere. Daher auch keine längeren Abstände als 10 – 14 Tage wählen, sonst haben die schon geschlüpften Tierchen wieder Eier gelegt. Mit der 3. Behandlung erwischen Sie dann hoffentlich alle Tierchen, die Sie bei den beiden ersten Behandlungen nicht erwischt haben.
  4. Wenn möglich verwenden Sie sogenannte „Systemische Mittel“. Diese werden gegossen und die Pflanze saugt diese Mittel mit dem Gießwasser auf, verteilt sie dann in jeden kleinsten Pflanzenteil und die Schädlinge fressen dann das Gift mit den Pflanzenteilen.
  5. Verwenden Sie möglichst 2 Mittel mit verschiedenen Wirkstoffen, die Fachverkäufer in den Gartencentern helfen Ihnen da sicher. So haben Sie auch dann Erfolg, wenn die Schädlinge schon gegen einen Wirkstoff resistent sind, denn dies kann durchaus sein.
  6. Aber bitte befolgen Sie die Angaben auf den Packungen sehr genau, denn eine falsche Behandlung kann den Pflanzen auch schaden. Gründliches Waschen der Hände nach der Anwendung ist unbedingt erforderlich, auch wenn Sie Handschuhe benutzt haben, denn diese Mittel sind häufig auch für den Menschen gefährlich! Dass diese Mittel auf keinen Fall in Kinderhände gehören, ist selbstverständlich!
  7. Bitte beobachten Sie Ihre Pflanzen weiter, denn je früher Sie eingreifen um so sicherer ist der Erfolg.
  8. Zu Ihrem Leidwesen ist dann doch eine Pflanze eingegangen. Wenn dies innerhalb 6 Monaten nach dem Kauf geschieht, machen Sie sich keine Vorwürfe. Häufig werden die Pflanzen in den Erzeugerbetrieben so stark getrieben, dass sie den Wechsel in normale Verhältnisse nicht verkraften. Wenn die Pflanzen nach dem Kauf ev. trotz guter Pflege kleiner werden, so hat dies den gleichen Grund, aber die Pflanze muss deshalb nicht zwangsläufig eingehen.

 

 

Sie glauben, das sei Ihnen alles viel zu kompliziert? Keine Angst, das ist es nicht! Wenn Sie Hilfe brauchen oder Fragen haben, wenden Sie sich ruhig an uns. Wenn sich dann die erste Blüte öffnet oder der erste Ableger bildet, ist die Freude und der berechtigte Stolz doppelt groß. Kakteen können Jahrzehnte ihren Besitzer erfreuen. Vielleicht werden Sie dann auch vom Kaktusvirus befallen, wie alle Mitglieder unseres Vereins. Dieser Virus ist übrigens nicht schädlich, sondern sehr interessant und vergnüglich. Überzeugen Sie sich doch einfach einmal!

 

Kennen Sie den größten Vorteil von Kakteen und anderen Sukkulenten gegenüber anderen Pflanzen?

Sie können auch im Sommer 3 Wochen in Urlaub fahren, ohne einen netten Nachbarn um Hilfe bitten zu müssen. Diese Gießpause vertragen alle diese Pflanzen.

Verein der Kakteenfreunde Osnabrück e.V.